Warum reiben wir uns auf?​

Warum lassen wir uns von schlechten Chefs nerven?

​Ich bin jetzt seit etwas mehr als zwei Monaten nach der Elternzeit wieder arbeiten. Das hat nicht nur zur Folge, dass ich wieder mehr unter Menschen komme, die sich klar mit Worten ausdrücken, sondern, dass ich mir auch wieder über andere Themen Gedanken mache. Immer wieder taucht in meinem Freundes- und Bekanntenkreis das Thema schlechte Vorgesetzte auf.

Ich glaube ja, dass es bis zu einem gewissen Maß notwendig ist, dass man sich ab und an über seinen Chef oder die Chefin aufregt – alles andere wäre auch nicht gut. Aber, ich denke, wenn es Überhandnimmt und die Blödheit der Vorgesetzten die Gespräche bei und nach der Arbeit dominieren, dann ist da tatsächlich etwas dran …

Das Peter-Prinzip

Eine meiner liebsten Theorien ist das Peter-Prinzip. So passend und leider schon sehr oft zutreffend erlebt.

Ich kann jetzt noch nicht einmal sagen, dass es mir im öffentlichen Dienst häufiger begegnet ist, als in der freien Wirtschaft. Die These, dass Menschen in ihrer Position aufsteigen bis zur Stelle ihrer (absoluten) Unfähigkeit, wird leider im realen Leben von einigen Managern, Leitungspositionen und Chefs bestätigt.

Da könnte ich ausholen und einige Anekdoten zum Besten geben. Ich weiß nur leider nicht, ob das nicht aufgrund des Widererkennungswertes zu Problemen für mich führen könnte. Meine Devise war dann immer: Dann ist hier nicht der richtige Platz für mich.

Eine Freundin von mir arbeitet in einem großen Unternehmen  und ihre Position ist positiv gesehen: zeitweise überflüssig. Die Problematik an der Geschichte: wenn ihre Stelle gestrichen wird, rechtfertigt sich die eine Managerposition nicht mehr.

Ein Manager braucht in diesem Unternehmen eine bestimmte Anzahl von MitarbeiterInnen unter sich, damit er managen kann. Wenn es nicht so traurig wäre, dann könnte ich mich wegschmeißen vor Lachen.

Da wird Geld für eine Person mehr zum Fenster rausgeworfen, damit ein anderer mehr Kohle und einen besseren Titel bekommen kann. Klingt total logisch und wirtschaftlich. Und da soll nochmal einer über den öffentlichen Dienst schimpfen.

Blöde Unterstützer

Das schlimme an der Sache mit den schlechten Chefs sind die übertrieben schmeichlerischen Menschen (das ist das Synonym für das Wort, das ich eigentlich schreiben wollte). Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich habe festgestellt: Der Chef kann noch so ein Vollpfosten sein, es gibt immer die Kollegen, die ihn noch bestätigen.

Hier ein Beispiel: eine Freundin von mir arbeitet in einer Einrichtung mit einem narzisstischen Vorgesetzten (zum Narzissmus habe ich mich hier schon einmal ausgelassen). Dieser Typ ist ab und an der Meinung er könnte mal gerade machen, was er will. Da interessieren ihn keine Gesetzeslagen, keine Arbeitnehmerrechte oder Bindungen seiner Kunden (es handelt sich um eine soziale Einrichtung).

Wenn er Lust hat jemanden zu kündigen, dann macht er das. Welche Folgen das hat – EGAL. Er macht es, weil er es kann.

Sonst ist er nämlich ein armer Wurm. Sonst müsste er sich mit dem Leben auseinandersetzen. Vielleicht müsste er sonst seine Fähigkeiten oder Kompetenzen in Frage stellen.

NEIN! Muss er nicht, er ist ja Chef.

Und, wenn das irgendwem nicht passt, dann bezahlt er eben einen Anwalt dafür, dass seine Meinung dennoch durchgesetzt wird. Tja, und egal, was er tut - es gibt tatsächlich Mitarbeiterinnen, die hinter ihm stehen und Kollegen, die dem Chef die Stirn bieten nieder machen. Ich glaube, das nennt man Herdentrieb.

Küchenpsychologie zum Herdentrieb

Der Herdentrieb kommt leider häufiger bei Frauen vor. Die sich leider sehr oft von Männern – sogenannten Leithammeln – führen lassen.

Leider hat diese Führung in der Regel nichts mit Solidarität, Empathie oder Intelligenz zu tun. Nein, es ist eher Management by Vollidioten. Und, wer dem blöden Chef am meisten zustimmt und das dumme Zeug nachquatscht, der kommt weiter und steigt womöglich noch auf.

Das ist das tolle an dieser Führungsart: Kompetenz, Intelligenz oder überhaupt Fähigkeiten spielen absolut keine Rolle.

Platt gesagt: die dümmste Kuh kann hier aufsteigen.

Für einige Menschen ist das ein echtes Modell, denn wenn man nicht mit Intelligenz gesegnet ist und nichts kann, dann hilft nachplappern bei diesem Chef enorm.

Der Herdentrieb ist das, wo man als Kunde reinkommt und sich fragt:

  • Wieso kümmert sich hier keiner um mich?
  • Wieso sind die Beschäftigten mehr damit beschäftigt gut auszusehen und geschäftig zu tun, als ihre Arbeit tatsächlich zu tun?

Das hast du bestimmt schon einmal erlebt. Die Launenhaftigkeit und Unterdrückung des Chefs führt dazu, dass die Herde immer wieder versucht eine Kollegin auf die Anklagebank zu stellen, damit nur nicht sie selbst erwischt werden.

So ein Chef braucht leider immer jemanden, den er nieder machen kann, den er unterdrücken kann, den er so richtig fertig machen kann.

Das blöde daran ist nur: ist es ihm gelungen, ist wer anders dran.

Das kann beim nächsten Mal auch die engste Verbündete sein. Dem Chef ist jede Mitarbeiterin egal. Mit Sicherheit gibt es Kühe in der Herde, die die Kunst beherrschen, dass sie nie ins schlechte Licht beim Chef rücken. Aber, bei dieser Herde gibt es keine Sicherheit. Jede kann die Nächste sein. Ein kleiner Fehler und …

Mehr freie Köpfe

Warum tun Menschen sich diese Unterdrückung an? Warum passiert das immer wieder in unterschiedlichen Zusammenhängen? Warum ist dieser Herdentrieb so heftig?

Tja, ich kann dir keine Antworten auf diese Fragen geben, dafür reichen meine psychologischen Kenntnisse nicht aus.

Aber ich bin der Meinung es braucht mehr freie Köpfe. Mehr Menschen – vor allem Frauen – die sagen: der Chef kann mir mal gestohlen bleiben, wenn der mich nicht haben möchte, finde ich einen anderen Job. Vor allem bevor der mich fertig macht. Oder noch mehr: bevor ich hier mit der Herde mitlaufe und andere fertig mache, suche ich mir einen anderen Chef. Leider hilft bei manchen Chefs nur gehen. Oder immer wieder ansprechen und mit dem Risiko zu leben, gegangen zu werden.

  • Wieso macht uns das so Angst einen neuen Job anzufangen, wenn die Arbeitsbedingungen doch eigentlich so schlecht sind?

Das Gewohnheitstier

Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Tja, da kommt schon wieder ein Tier bei uns durch. An vielen Stellen haben wir mehr mit einigen Tieren gemeinsam, als wir uns das wünschen  (da gibt es übrigens ein ganz spannendes und erhellendes Buch zum Thema von Norbert Sachser: Der Mensch im Tier). Dieses Gewohnheitstier möchte immer den gleichen Weg zur Arbeit, hat lieber jeden Tag dieselben schrecklichen Menschen um sich herum und weiß gerne, was auf der Arbeit so auf ihn zukommt.

Mmh … stimmt, wenn du einen neuen Job anfängst, dann ändert sich der Weg zur Arbeit, du musst dich neu in eine Gruppe einfinden und deine Aufgaben sind dir nicht von Anfang an klar.

ABER: das geht ganz schnell und dann ist das alles Routine – laut Studien ca. 30 bis 60 Tage. Bei durchschnittlich 20 Arbeitstagen im Monat ist das schnell geschafft.

Ich plädiere für weniger Trumps

So, jetzt werde ich mal ein wenig politisch. Und dieser Politiker bringt mich echt auf die Palme. Denn er erfüllt für mich all das, was ich hier geschrieben habe, was ich so oft bei Chefs erlebt habe, was ich so oft von Freunden und Freundinnen höre.

Er repräsentiert für mich die Chefs, die keine Ahnung haben von dem, was sie tun.

Er repräsentiert für mich die Chefs, die darauf gucken, dass der Umsatz heute stimmt, aber über das Morgen nicht nachdenkt.

​Er repräsentiert für mich die Chefs, denen im Grunde genommen egal ist, ob seine MitarbeiterInnen fähig und kompetent sind, so lange sie ihnen den Bauch pinseln.

Ja, dieser Artikel ist nicht so positiv, wie ich es vielleicht eigentlich sein möchte. Aber du merkst bei diesem Thema sind meine Finger wütender und schneller dabei. Ich finde es ganz furchtbar, dass die Welt an so vielen Stellen so ungerecht ist und Menschen Macht ausnutzennur für sich nutzen.

Das finde ich schlimm. Allerdings weiß ich und glaube ich, dass das Universum, Gott oder wie auch immer wir diese gerechte Kraft nennen, dafür sorgt, dass jeder seine Abrechnung bekommt. Schade ist nur, dass vorher schon so viele andere Menschen Schaden nehmen müssen.

Mehr Menschen mit Mut

Ich wünsche mir mehr Menschen mit Mut. Mehr Menschen, die sich für andere einsetzen und nicht nur an sich selbst und ihre Vorteile denken. Mehr Menschen, die wissen, lernen, erfahren, dass Gemeinschaft und Zusammenhalt stark macht und ungemein wichtig ist. Ich wünsche mir mehr Menschen, die ihr Handeln und Denken reflektieren und alles auch mal in Frage stellen.

Genau deshalb befürworte ich die Fridays for Future Aktionen, denn diese Jugendlichen lehnen sich gegen das System auf und äußern ihre Meinung auf friedliche Art. Diese Menschen machen sich Gedanken um andere Menschen und denken nicht nur an das JETZT und HIER. Sie hinterfragen und beschäftigen sich intensiv mit unangenehmen Themen. Sie könnten es einfacher haben … Zudem ist der Herdentrieb in dieser Herde positiv.

Ich glaube, das schlimmste im Leben ist am Ende dazustehen und sagen zu müssen: „Hätte ich mal …“

Sag deine Meinung. Folge deinem Herzen. Sei für andere da. Steh für andere ein. Nutze die Gemeinschaft. Nutze dein Leben!

Sei positiv!​

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