Einsamkeit

Einsamkeit – das Thema bestimmt ja schon seit einiger Zeit die Debatten in verschiedenen Medien und auch bei uns im Netz.

Zunächst habe ich für den Artikel einmal bei Wikipedia nachgesehen, was eigentlich unter Einsamkeit zu verstehen ist: Einsamkeit bezeichnet meist die Empfindung, von anderen Menschen getrennt und abgeschieden zu sein (…)

Oft wird mit Einsamkeit eine negativ konnotierte Normabweichung oder ein Mangel verbunden, mitunter werden damit aber auch positive Aspekte in Zusammenhang gebracht, beispielsweise im Sinne einer geistigen Erholungsstrategie, die Gedanken ordnen oder Kreativität entwickeln bzw. fördern kann.

 

Einsamkeit macht krank

Man kann das Thema als Gefahr für unsere Gesellschaft sehen, so wie es der Psychiater und Bestsellerautor Manfred Spitzer tut.

So sagt er in einem Interview mit dem Focus, dass chronische Einsamkeit ein größeres Sterberisiko mit sich bringt als 15 Zigaretten am Tag, Fettleibigkeit oder Bluthochdruck. Bericht FOCUS.

Die Reaktion der britischen Premierministerin, Theresa May, liest sich wie eine Antwort hierauf. Sie hat eine Einsamkeitsministerin ernannt. Für Spitzer ist Einsamkeit eine Krankheit – in seinem Buch „Einsamkeit. Die unerkannte Krankheit: schmerzhaft, ansteckend, tödlich“ beschreibt er die Einsamkeit gar als „Todesursache Nummer eins“.

        ⇒ Doch trifft diese Einschätzung zu?

        ⇒ Was sagen die von ihm genutzten Fakten aus?

Zunächst einmal frage ich mich, ob eine Krankheit vorliegt.

Wieder zu Wikepedia: Hiernach zusammengefasst, ist eine Störung der normalen Funktion des Organismus Voraussetzung. Als Funktionsstörung kann Krankheit verschiedene Bereiche lebendigen Seins betreffen und sich in deren Wechselwirkungen entwickeln. Physiologische Funktionen sind wesentliche Eigenschaft des Lebens.

Und klar – viele „leiden“ unter Einsamkeit. Sie empfinden diese als negative Beeinträchtigung ihres Selbst.

Andererseits suchen viele Menschen gerade die Einsamkeit, um sich zu erholen.

So gehe ich zum Beispiel gerne Wandern bzw. Pilgern. Für mich ist es herrlich mit der Natur und meinen Gedanken allein zu sein.

Nun habe ich auch eine Familie die mich positiv fordert, tolle Freunde und eine Arbeit mit viel sozialer Interaktion. Ich weiß aber auch, dass die Abwesenheit von all dem zu einem negativen Empfinden führt.

Wenn das soziale Netz wegbricht – durch Jobverlust, Trennung, Krankheit etc., führt dies zu einem subjektiv empfundenen Leid.

Ob damit nun schon die Schwelle zur Krankheit überwunden ist, möchte ich gar nicht beurteilen. Ich bin nun mal kein Mediziner.

Der Journalist Jakob Simmank von Zeit Online hat sich in einem interessanten Artikel mit dem Buch von Manfred Spitzer auseinandergesetzt. ZEIT Online. Er zeigt hier den Unterschied zwischen Einsamkeit und sozialer Isolation auf.

 

Die Krankheit Einsamkeit

Was mich persönlich daran irritiert, die Einsamkeit als Krankheit festzulegen und damit verbundenen Folgen für die körperliche und geistige Gesundheit zu sehen ist die Frage „Was ist mit der Behandlung?“.

Ich möchte dem Autor hier auf keinen Fall etwas unterstellen, aber muss für eine Krankheit nicht eine Behandlung her? Müssen neue Medikamente, neue Therapien entwickelt – und bezahlt werden?

Spitzer selber verweist in seinem Buch eher auf Hausmittel – ein Waldspaziergang und musizieren. Ich denke, dass ein Waldspaziergang gut tun kann, wenn ich die Einsamkeit bewusst suche und brauche.

Über die positive Wirkung des Vitamin N schreibt Dr. Qing Li in seinem Buch: Die wertvolle Medizin des Waldes: Wie die Natur Körper und Geist stärkt.

Aber sollte eine tatsächliche Krankheit Einsamkeit vorliegen, ist Vitamin N wahrscheinlich nicht das richtige Heilmittel.

Eher in die Richtung von Simmank geht Spiegel Online, in einem Artikel über eine amerikanische Studie zu körperlichen Folgen von Einsamkeit aus dem Jahr 2010:

Einsamkeit…

  • …ist genauso schädlich wie der Konsum von 15 Zigaretten am Tag
  • …schadet genauso viel wie Alkoholmissbrauch
  • …ist schädlicher als keinen Sport zu treiben
  • …ist doppelt so schädlich wie Fettsucht

SPIEGEL Online

Interessant ist auch der Beitrag von Kathleen Raschke-Maas für MDR Wissen. Sie fragt danach, was Einsamkeit mit Menschen macht und wie man der Einsamkeit entfliehen kann.

Hier kommt u.a. die Psychologin Annegret Wolf zu Wort: „Einsamkeit ist das, was wir subjektiv empfinden: Der Mangel an sozialen Kontakten, an emotionalen Bindungen. Selbst wenn wir von anderen Menschen umgeben sind, in der Großstadt oder auf Arbeit zum Beispiel. Das Alleinsein hingegen ist ein Zustand, in dem wir objektiv nicht von anderen umgeben sind und auch keine Kommunikation stattfindet.“ MDR

 

Ich möchte euch auf einen eher persönlichen Ausflug in das Thema „Einsamkeit“ mitnehmen.

 

Schöne Einsamkeit

Einsamkeit … die Blätter rauschen, der Geruch von Moos dringt an meine Nase, im Gebüsch raschelt es und vor einer halben Stunde konnte ich eine Eichhörnchen-Familie beobachten.

Herrlich – ich bin mit mir selbst unterwegs. Ich bin im Weserbergland unterwegs. Ich bin früh aufgebrochen. Meine Familie hat noch geschlafen.

Jetzt mache ich meine erste Pause. Ich sitze auf einem alten Baumstumpf und mümmle mein Käsebrot. Ich bin alleine hier … und fühle mich wohlig.

Außer meinen Gedanken ist niemand, der stört. Diese innere Stimme kann jedoch manchmal ganz schön nervig sein. Manchmal erinnert sie mich nur daran, was ich im Haus noch erledigen will – seit mittlerweile vier Monaten. Manchmal quält sie mich mit der immer gleichen Fragen:

⇒ Behandele ich meine Kinder gut?

⇒ War ich letzte Woche nicht richtig unfair zu meiner Kollegin?

Für mich kommt hier der Januskopf der Einsamkeit zum Ausdruck: Auf der einen Seite finde ich inneren Frieden, wenn ich alleine bin. Ich kann abschalten, die Seele baumeln lassen und bin ganz bei mir.

  • Doch was ist, wenn meine Seele das nicht möchte?
  • Wenn sie danach schreit, dass sie Beachtung findet?

Von anderen Menschen, von meiner Familie, von mir selbst…

Ich habe das Glück, dass Einsamkeit für mich vor allem schöne Momente bedeutet. Mir ist jedoch klar, dass Einsamkeit für einen Menschen auch eine enorme Belastung sein kann.

 

Ganz Allein

Stell dir Folgendes vor: Du fährst nach dem Frühstück mit der S-Bahn irgendwohin, zur Arbeit, ins Grüne etc. In der Bahn triffst du auf hunderte Menschen – mit keinem wechselst du ein Wort.

Während der Arbeit sitzt du acht Stunden am Computer – und alles was du mit den Kollegen sprichst, geht über ein „Guten Morgen“ am Kaffee-Automaten und dem sachlichen Austausch nicht hinaus.

Oder du gehst gerade nicht zur Arbeit, da du in Elternzeit bist. Du sprichst den ganzen Tag eher so „dada – wawa“. Oder du hast gerade keine Arbeit und sitzt zu Hause.

Gedankenblitz – ich habe ja noch meine sozialen Netzwerke. Auf meinen versteckten Schrei nach Aufmerksamkeit kommen nur ein paar alberne Emojis.

Mit der guten Freundin hast du zuletzt vor vier Wochen telefoniert – sie ist immer so busy. Abends gehst du dann noch Joggen oder gleich auf die Couch? Dann ins Bett und hast den ganzen Tag kein persönliches Wort gewechselt.

Ich kann mir gut vorstellen – und weiß es auch aus Erfahrung – das einen das „krank“ macht.

 

Mittel gegen Einsamkeit

Allen, die auf der Schattenseite der Einsamkeit stehen, muss ich sagen, dass ich hier auch kein Patentrezept anbieten kann, wie du damit umgehen kannst.

Ich komme mir fast doof vor, wenn ich auf den Verein, den Abend in der Kneipe oder den VHS-Kurs verweise. Und doch – auch das hilft.

Wenn es aber nicht geht, könnten wichtige Gründe dafür vorliegen. Eine Depression, fehlende finanzielle Möglichkeiten mit Freunden ins Kino und Essen zu gehen. Das darf man nicht unterschätzen.

Jedoch spielen hier bereits gesellschaftliche Fragen eine Rolle, die sich an dieser Stelle nicht lösen lassen. Vielleicht findest du in diesem Artikel auf Spiegel Online unter den sechs Mitteln gegen Einsamkeit etwas, das dich anspricht: SPIEGEL Online

Der US-amerikanische Psychologe John Cacioppo hat sich wissenschaftlich viel Einsamkeit beschäftigt. Bericht EINSAMKEIT.  Er gibt vier Tipps:

  • Vergrößert euren Aktionsradius: bleibt nicht passiv, sondern geht selbst auf neue Leute zu.
  • Positive Erlebnisse: Wer merkt, dass er auch bei Anderen gut ankommt, traut sich auch öfter in die Interaktion mit anderen Menschen.
  • Wahrnehmung üben: Durch häufigeren Kontakt mit Anderen auf einer bestimmten Ebene lernen wir, darauf wiederum angemessen zu reagieren
  • Positives Denken: Bei jedem Kontakt mit anderen Menschen das Beste erwarten. Je positiver wir auf Andere zugehen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch positiv auf uns reagieren.

 

Analyse + Achtsamkeit

Besonders interessant finde ich den Aspekt der Achtsamkeit. Nur wer sich selbst erkennt, kann etwas ändern.

Schaut in den Spiegel (den im Bad, nicht online :-)) und überlegt „gemeinsam“ ⇒ warum bin ich einsam?

  • Liegt es daran, dass ich keinen Kontakt zu Menschen herstellen kann?
  • Oder können andere keinen Kontakt zu mir herstellen?
  • Habe ich Freunde, Familie, Kollegen und fühle mich dennoch alleine?
  • Sind meine Freunde alle virtuell?
  • Wer kennt mich wirklich?

Einen Test zum Thema findet ihr hier: EINSAMKEIT Test

 

Zwei Seiten der Einsamkeit

Es gibt die zwei Seiten der Einsamkeit. Die Einsamkeit, die ich mir selbst suche, da ich das gerade brauche und möchte. Und, es gibt die Einsamkeit, die ungewollt ist.

Die erste Form der Einsamkeit kann sehr erholsam sein und wird in Achtsamkeitsseminaren geübt, da sie manchem schwer fällt.

Die zweite Form sollte genau betrachtet werden und hinterfragt.

Dann such dir einen Weg wie es dir wieder gut gehen kann. Wichtig ist, dass du für dich klar hast: Ist das jetzt gut? Will ich das?

Richtige Freunde zu finden, ist nicht so einfach, dieser Videokurs zeigt dir worauf du achten kannst. Er vermittelt Kommunikationstechniken und Strategien für ein erfülltes Sozialleben.

 

Meditation

Eine Form Einsamkeit zu genießen, ist für mich die Meditation. Es gibt unterschiedliche Formen der Meditation, hier solltest du ruhig ausprobieren, was dir zusagt.

Ich bin ein großer Freund der Meditation durch Yoga. Die Verbindung von Körper und Geist finde ich für mich sehr ansprechend.

Auch ein Spaziergang kann eine Form der Meditation sein.

Meditation bedeutet, dass du deinen Geist auf etwas fokussierst und versuchst nicht ständig abzuschweifen. Ich würde es vielleicht als so etwas wie tiefes Nachdenken oder Konzentrieren beschreiben.

Mir gelingt es nicht immer, manchmal kreisen meine Gedanken so wild, dass ich zu unruhig bin.

Eine Anleitung zum Meditieren mit verschiedenen Methoden kannst du hier finden:

Wenn du dich bisher gefragt hast: Wofür Meditation gut sein soll?

Versuche ich mal zu antworten mit: Sie ist meiner Meinung nicht für jeden gut. Ich denke, dass nicht jeder Meditation braucht. Das musst du entscheiden.

Mir hilft sie manchmal ungemein zu entspannen und den Kopf frei zu bekommen. Leider habe ich nicht täglich Zeit für einen Waldspaziergang und zehn Minuten beim Yoga fokussieren und nur in mir sein, tut mir gut.

Also, mach dir selbst ein Bild! Einen Versuch ist es wert!

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